Neues Ski-Kommando für den Einsatz im Winter: Polizei Bremerhaven stellt sich auf schneereiche Zeiten ein – und schont dabei das Klima
Der vergangene Winter, insbesondere der Januar 2026, ist im Nordwesten Deutschlands ungewöhnlich schneereich ausgefallen. Gemessen an der Zahl der Tage mit Schneedecke war es der schneereichste Januar seit 2010, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Besonders prägend war das Wintersturmtief „Elli“ zwischen dem 8. und 10. Januar. Es brachte verbreitet kräftigen Schneefall, stürmischen Wind und starke Schneeverwehungen.
Die außergewöhnlichen Wetterentwicklungen der vergangenen Monate waren auch für die Polizei Bremerhaven so manches Mal herausfordernd. Für die Einsatzkräfte, die im Notfall bei allen Witterungsbedingungen schnellstmöglich helfen müssen, sind hier die jeweils passenden Führungs- und Einsatzmittel entscheidend. „Wir haben die Wetteraufzeichnungen gesichtet und natürlich auch die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen gesammelt“, sagt Jens Ammermann, Pressesprecher der Polizei Bremerhaven. „Insbesondere auf verschneiten Wegen und Straßen kamen die Streifenwagen trotz Winterreifen so manches Mal ins Rutschen.“ Eine Fahrradstreife wäre bei dem Wetter zu gefährlich gewesen, und zu Fuß laufe man beispielsweise bei der Verfolgung eines Täters Gefahr, selbst auszurutschen und sich zu verletzen.
Nach umfassender Analyse haben sich die Verantwortlichen daher dazu entschlossen, neue winterliche Fortbewegungsmittel in die Ausrüstung der Beamten aufzunehmen. So soll das erste Winterliche Ski-Kommando Langlauf/Alpin (WiSki-KoLA)
im nächsten Winter seinen Dienst aufnehmen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir bei verschneiten Straßen beispielsweise mit Langlaufskiern wesentlich schneller und sicherer auf Streife gehen beziehungsweise fahren können“, so der Pressesprecher. Hierzu sollen zeitnah Gespräche mit der Straßenmeisterei geführt werden, um im Bedarfsfall passende Loipen an den Hauptverkehrsachsen zu spuren.
Doch nicht nur in den flachen Straßen liegt dann Schnee: Auch Einsätze am Weserdeich, auf dem Drachenberg im Bürgerpark oder auf dem sogenannten Tunnelberg in Leherheide dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Hinzu kommen die Zufahrten in den Hafentunnel oder die Auf- und Abfahrten zu Brücken wie der Kennedybrücke. „Wir sprechen da durchaus von alpinem Gelände mit ordentlichem Gefälle, weshalb die zusätzliche Ausstattung mit Alpin-Skiern und der zugehörigen Ausrüstung für uns im Fokus steht“, so Ammermann. Derartige Bedingungen seien für die Beamten im ansonsten flachen Norden durchaus herausfordernd.
Als die Einrichtung des Ski-Kommandos in der Ortspolizeibehörde die Runde machte, habe es sofort eine riesige Nachfrage gegeben. Kein Wunder, hatten doch die Olympischen Winterspiele jüngst gezeigt, welche Höchstleistungen auf den Brettern möglich sind. Unter den motivierten Bewerbern hat es inzwischen ein Auswahlverfahren gegeben. Um die Einsatzkräfte für den nächsten Winter bestmöglich vorzubereiten, trainieren einige von ihnen schon jetzt in den Alpen unter realen Bedingungen. Schneepflug statt Straftat, Buckelpiste statt Betrugsdelikt, Talabfahrt statt Tatort: Die Cops von der Küste werden zu Beamten am Berg. Auch das Handling von Notizblock, Taschenlampe und Pfefferspray bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Schneequalität beim Parallelschwung will geübt sein. „Gegebenenfalls werden wir auch Kontakt aufnehmen zu den Kollegen von den Alpinen Einsatzgruppen (AEG) der Polizei Bayern. Wir wollen von den Besten lernen“, stellt der Bremerhavener Polizeisprecher klar.
Mit ihrem Projekt sind die Seestadtcops aktuell Vorreiter an der Nordseeküste in Sachen Einsatzmittel Ski. Doch man ist sich sicher, dass diesem Beispiel im Erfolgsfall weitere Polizeien der Region folgen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand. „Niedersachsen hat beispielsweise mehr als 600 Kilometer Deichlinie, die bei Schneefall idealerweise mit Abfahrtsskiern bestreift werden können. Da gibt es mit Sicherheit Potenzial“, glaubt Jens Ammermann. Wenn die ersten Erfahrungen gesammelt sind, werde man gern mit den Kolleg:innen dort in den Austausch gehen.
Hinzu komme der Umweltaspekt, der bei dieser CO₂-neutralen Fortbewegungsart dem Klimaschutzgedanken der Behörde entspreche. „Darüber hinaus sparen wir natürlich erhebliche Treibstoffkosten bei den Streifenwagen. Und die Beamten halten sich während der Arbeit fit.“
Inzwischen geht in Bremerhaven der Blick noch weiter: Da von den skifahrenden Beamten festgenommene Straftäter natürlich nicht selbst mit den Brettern ausgestattet werden können, erwägt die Ortspolizeibehörde nunmehr die Entwicklung eines vergitterten Polizei-Gewahrsamsschlittens, mit dem die Delinquenten bei Schnee sicher und klimaneutral zur Zelle transportiert werden können. Parallel dazu wird geprüft, inwieweit die Diensthunde als Schlittenhunde einsetzbar wären.
Jens Ammermann ist zuversichtlich: „Jetzt, pünktlich zum 1. April, freuen wir uns erst einmal auf den Frühling. Aber wenn wir wieder einen so weißen Winter bekommen wie den vergangenen, sind wir vorbereitet!“

